Zu unrecht Gefangengehaltene. Frühe Beispiele hierfür lassen sich in der Bibel finden: Daniel in der Löwengrube, Joseph bei Potiphar, die Gefangennahme Jesu, die Gefängnisaufenthalte des Apostel Paulus. Auch die Hagiographie hat das Leiden in und unter der Gefangenschaft immer wieder ausführlich thematisiert (z. B. in den Legenden der Heiligen Katharina von Alexandrien, Barbara von Nikomedien und Margareta von Antiochia). In der Siebenschläfer-Legende steht hingegen die freiwillige Gefangenschaft im Vordergrund. Aus dem Mittelalter sind uns in diesem Zusammenhang die Blondelsage von der gewaltsamen Befreiung Richard Löwenherz’ aus der Gefangenschaft Heinrich VI., die Kudrun-Sage sowie die Legende von Gregorius bekannt. Darüber hinaus spielt die unrechtmäßige Gefangennahme in manchen Märchen eine Rolle (Hänsel und Gretel, Jungfrau Maleen, Rapunzel).

Entkommen und Rettung. In der Mündlichen Überlieferung erfolgt eine Befreiung zumeist durch Wunder, Magie oder List; Gewaltanwendungen sind eher die Ausnahme. So fungierte beispielsweise der erste Merseburger Zauberspruch als Lösezauber; demgegenüber hatten Himmelsbriefe für Soldaten eine quasi-präventive Wirkung. Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens heißt es, dass geweihtes Brot, Rabenstein und Springwurzel einem Gefangenen zur Freiheit verhelfen konnten. Ein Federhemd diente in der Heldensage von Wieland dem Schmied, der Ariadnefaden in der Theseus-Sage diesem Zweck. Zwei Mönche befreiten sich, einem Exempel mit dem Titel Salve Regina zufolge, indem sie selbiges sangen. Gemäß einer Heiligenlegende vom Apostel Matthias war es der Gottessohn, der ihm zur Flucht aus dem Gefängnis verhalf; der Heilige Nikolaus hingegen bedurfte dazu keiner fremden Hilfe. In der Legenda aurea ist u. a. von den beiden Heiligen Leonhard und Jakobus dem Älteren als Gefangenenpatronen die Rede; während der Kreuzzüge setzte die diesbezügliche Verehrung Sankt Georgs ein. Von der Heiligen Jungfrau heißt es im Dialogus miraculorum, sie habe einen Ritter aus seiner Gefangenschaft errettet. Schließlich ist in diesem Zusammenhang noch der Teufel zu erwähnen, der in einigen Sagen als Advokat agiert.